Investieren

Generationenwohlstand sichern: Ein Glossar zu Covered-Call-Strategien mit ESG-Fokus

Erfahren Sie, wie Covered-Call-Strategien langfristigen, nachhaltigen Vermögensaufbau fördern und so den Generationenwechsel im DACH-Raum unterstützen können.

Von Dr. Sabine Lindner8 Min. LesezeitZürich, CHE
Familie dreier Generationen diskutiert Finanzstrategien auf einem Tablet mit ESG-Symbolen.
Bizfino / AI-generated

Die Aufrechterhaltung und Weitergabe von Vermögen über Generationen hinweg ist eine zentrale Herausforderung für viele Familien im DACH-Raum. Eine bewährte Strategie, um regelmäßige Erträge zu generieren und gleichzeitig das bestehende Anlageportfolio zu schützen, ist die Covered-Call-Strategie. Sie bietet Anlegern die Möglichkeit, durch den Verkauf von Call-Optionen auf bestehende Aktien zusätzliche Einnahmen zu erzielen, was besonders im Kontext von nachhaltigen und ESG-konformen Investitionen an Bedeutung gewinnt.

Covered Call (Gedeckter Call)

Ein Covered Call ist eine Optionsstrategie, bei der ein Anleger Call-Optionen auf Aktien verkauft, die er bereits besitzt. Die Bezeichnung 'gedeckt' (covered) rührt daher, dass der Verkäufer die Pflicht zur Lieferung der Aktien im Falle einer Ausübung der Option durch die bereits gehaltenen Aktienposten absichert. Diese Strategie wird primär eingesetzt, um zusätzliche Einnahmen in Form von Optionsprämien zu generieren, besonders in Seitwärtsmärkten oder bei moderat steigenden Kursen. Für Familien, die Vermögen über Generationen hinweg erhalten möchten, kann dies eine attraktive Methode sein, um kontinuierliche Erträge aus bestehenden Unternehmensbeteiligungen, insbesondere solchen mit starkem ESG-Profil, zu erwirtschaften, ohne direkt in die Substanz der Aktien eingreifen zu müssen.

Im DACH-Raum ist diese Strategie bei erfahrenen Anlegern verbreitet, um das Risiko eines Aktienportfolios zu mindern und die Rendite zu verbessern. Laut einer Studie der Deutschen Bundesbank zur Vermögensstruktur privater Haushalte in Deutschland sind Aktieninvestitionen ein signifikanter Bestandteil der Altersvorsorge, und Covered Calls können die Effizienz dieser Anlagen steigern. So konnte beispielsweise ein Portfolio, bestehend aus Blue-Chip-Aktien wie Siemens oder Novartis, durch konsistentes Schreiben von Covered Calls in den letzten fünf Jahren eine zusätzliche Rendite von durchschnittlich 3-5 % pro Jahr erzielen, basierend auf historischen Backtests und Branchenschätzungen.

Optionsprämie

Die Optionsprämie ist der Preis, den der Käufer einer Option an den Verkäufer zahlt. Im Kontext eines Covered Calls erhält der Anleger, der die Call-Option verkauft, diese Prämie umgehend. Sie stellt den primären Ertragsmechanismus der Covered-Call-Strategie dar und kompensiert den Verkäufer für das Recht, die zugrunde liegende Aktie zu einem bestimmten Preis (dem Ausübungspreis) kaufen zu dürfen. Diese prämiaren Einnahmen können als fester Bestandteil des Nettoeinkommens für Generationenportfolios dienen, um beispielsweise laufende Kosten zu decken oder Reinvestitionen in weitere nachhaltige Projekte zu finanzieren.

Die Höhe der Prämie hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter dem aktuellen Aktienkurs, dem Ausübungspreis der Option, der Restlaufzeit bis zum Verfall und der Volatilität der Aktie. Eine höhere Volatilität führt in der Regel zu höheren Prämien. Für generationenübergreifende Portfolios, die auf Stabilität und nachhaltige Erträge abzielen, ist es ratsam, Optionen mit moderater Volatilität und sinnvollem Ausübungspreis zu wählen, um das Risiko einer unfreiwilligen Aktienlieferung zu steuern. Die durchschnittliche Optionsprämie für eine 'Out-of-the-Money'-Option mit einer Laufzeit von 30-45 Tagen auf eine stabile Blue-Chip-Aktie liegt typischerweise zwischen 0,5 % und 2 % des Aktienwerts pro Monat.

Ausübungspreis (Strike-Preis) und Verfallstag

Der Ausübungspreis (engl. Strike Price) ist der im Optionsvertrag festgelegte Preis, zu dem der Optionskäufer die zugrunde liegende Aktie vom Optionsverkäufer erwerben kann, falls er die Option ausübt. Der Verfallstag ist das Datum, an dem die Option ihre Gültigkeit verliert. Die Wahl des Ausübungspreises und der Verfallstags sind entscheidend für den Erfolg einer Covered-Call-Strategie. Ein zu niedriger Ausübungspreis erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktien ausgeübt werden und der Anleger seinen Bestand verkaufen muss, während ein zu hoher Ausübungspreis eine geringere Prämie zur Folge hat.

Für einen nachhaltigen Vermögensaufbau sollten Anleger einen Ausübungspreis wählen, der über dem aktuellen Marktpreis liegt und idealerweise einem Niveau entspricht, zu dem sie bereit wären, ihre Aktien zu verkaufen. Die meisten Anleger konzentrieren sich auf leicht 'Out-of-the-Money' (OTM) Calls, um die Prämie zu maximieren und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit der Ausübung zu reduzieren. Der Verfallstag wird oft auf 30 bis 60 Tage festgelegt, da Optionen mit längeren Laufzeiten zwar höhere Prämien bieten, aber auch ein höheres Risiko unerwarteter Kursbewegungen bergen. Über 80 % der Optionen laufen laut Branchenstatistiken ohne Ausübung ab, was die Prämieneinnahmen sichert.

  • Nachhaltige Erträge:Generieren Sie regelmäßige Einnahmen, um laufende Kosten oder Reinvestitionen in nachhaltige Projekte zu finanzieren.
  • Vermögensabsicherung:Schützen Sie Ihr bestehendes Aktienportfolio teilweise vor Kursrückgängen durch die vereinnahmte Prämie.
  • Renditesteigerung:Erzielen Sie zusätzliche Renditen auf Aktien, die Sie ohnehin halten und langfristig behalten möchten.
  • Flexible Nachlassplanung:Bieten Sie den nachfolgenden Generationen eine flexible Einkommensquelle aus dem übertragenen Vermögen.
  • Portfoliostabilisierung:Glätten Sie die Volatilität Ihres Portfolios durch konstante Prämienzahlungen, unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.

In-the-Money (ITM) vs. Out-of-the-Money (OTM)

Optionen werden als 'In-the-Money' (ITM) bezeichnet, wenn der aktuelle Aktienkurs über dem Ausübungspreis der Call-Option liegt. Im Gegensatz dazu sind Optionen 'Out-of-the-Money' (OTM), wenn der Aktienkurs unter dem Ausübungspreis liegt. Beim Schreiben von Covered Calls entscheiden sich Anleger oft für OTM-Optionen, da diese eine geringere Wahrscheinlichkeit der Ausübung haben und somit die Möglichkeit, die zugrunde liegenden Aktien zu behalten, erhöhen. Im Kontext des Generationenvermögens ist der Erhalt der Kernaktien oft wichtiger als die Maximierung jeder einzelnen Prämienzahlung.

Der Verkauf von ITM-Calls führt zu höheren Prämien, birgt jedoch ein höheres Risiko, dass die Aktien "weggerufen" werden und der Anleger gezwungen ist, sie zu verkaufen, was die langfristige Strategie des Bestanderhalts untergraben könnte. Für ein nachhaltiges Portfolio, das oft auf ESG-konformen Unternehmen basiert, die langfristig gehalten werden sollen, ist der OTM-Call die bevorzugte Wahl. Eine Befragung von Vermögensverwaltern in der Schweiz zeigte, dass über 70 % der aktiven Covered-Call-Schreiber OTM-Optionen bevorzugen, um ihre Kernbestände zu schützen.

Die vorsichtige Anwendung von Covered Calls auf ein nachhaltiges Aktienportfolio kann die finanzielle Resilienz einer Familie über Generationen hinweg signifikant stärken, indem sie konservative Einkommensströme etabliert.

Dr. Andreas Moser, Leiter für Strategische Vermögensplanung bei Helvetia Wealth Management

Rollendes Management und Buy-to-Close

Das rollende Management einer Covered-Call-Position bezieht sich auf die Anpassung der Option vor ihrem Verfall. Dies kann das "Heraufrollen" (Roll Up) zu einem höheren Ausübungspreis, das "Herunterrollen" (Roll Down) zu einem niedrigeren Ausübungspreis oder das "Herausrollen" (Roll Out) zu einem späteren Verfallstag bedeuten. Ziel ist es, die Prämieneinnahmen zu optimieren oder die Wahrscheinlichkeit der Ausübung zu steuern. Im Wesentlichen geht es darum, eine bestehende Covered-Call-Position zu schließen (Buy-to-Close) und sofort eine neue Option mit anderen Parametern zu eröffnen.

Buy-to-Close ist der Vorgang, bei dem ein Optionsverkäufer die genau gleiche Option, die er zuvor verkauft hat, zurückkauft, um seine Position zu schließen. Dies geschieht in der Regel, um Gewinne zu realisieren, Verluste zu begrenzen oder eine neue Strategie umzusetzen. Für Anleger, die generationenübergreifendes Vermögen verwalten, ermöglicht das rollende Management eine flexible Anpassung an sich ändernde Marktbedingungen und Unternehmensentwicklungen ihrer ESG-Investitionen, ohne die zugrunde liegenden Aktien ständig handeln zu müssen. So kann ein Portfolio, das beispielsweise in Vestas Wind Systems investiert ist, durch das Rollen von Optionen auf aktuelle Marktbewegungen reagieren und so kontinuierlich Einkommen generieren.

Symbolische Übergabe von Werten zwischen den Generationen vor nachhaltiger Technologie im Hintergrund.
Nachhaltigkeitsorientierte Covered-Call-Strategien können die generationalen Vermögensziele unterstützen.Bizfino / AI-generated

ESG-Integration in Covered-Call-Strategien

Die Integration von ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Governance) in Covered-Call-Strategien bedeutet, dass die zugrunde liegenden Aktien sorgfältig anhand ihrer Nachhaltigkeitsleistung ausgewählt werden. Anstatt auf beliebige Aktien Covered Calls zu schreiben, konzentrieren sich Anleger auf Unternehmen, die hohe ESG-Standards erfüllen. Dies kann Unternehmen umfassen, die sich im Bereich erneuerbare Energien engagieren, faire Arbeitsbedingungen bieten oder eine transparente Unternehmensführung praktizieren. Beispiele hierfür sind Unternehmen wie E.ON, Nestlé oder Roche, die in ihren jeweiligen Branchen für ihre Nachhaltigkeitsbemühungen bekannt sind.

Der Vorteil dieser Herangehensweise für generationenübergreifendes Vermögen ist zweifach: Zum einen wird das Portfolio in Unternehmen investiert, die voraussichtlich langfristig erfolgreich sein werden, da sie auf zukünftige Herausforderungen und gesellschaftliche Anforderungen vorbereitet sind. Zum anderen spiegelt es die Werte der Familie wider und kann das Engagement in nachhaltige Entwicklungen symbolisieren. Dies ist besonders relevant für jüngere Generationen, die oft Wert auf ethische und ökologische Aspekte ihrer Investitionen legen. Laut einer Umfrage von "Forum Nachhaltige Geldanlagen" (FNG) in Deutschland wurden im Jahr 2023 über 40 % der nachhaltigen Anlagen von Privatanlegern getätigt, was die wachsende Bedeutung unterstreicht.

MerkmalNachhaltiger Basiswert (ESG)Traditioneller Basiswert
Langfristige WertstabilitätTendiert zu höherer Stabilität durch zukunftsorientiertes Geschäftsmodell.Kann volatiler sein, abhängig von kurzfristigen Marktzyklen.
PrämienpotenzialVergleichbare Prämien, oft mit stabilerer Unternehmenskursentwicklung.Prämien können höher sein bei erhöhter Volatilität, aber mit höherem Risiko.
AusübungsrisikoTypischerweise geringeres Ausübungsrisiko durch Fokus auf langfristigen Besitz.Höheres Ausübungsrisiko bei spekulativeren Werten.
Generationsübergreifender WertFörderung ethischer Werte, oft von jüngeren Generationen bevorzugt.Fokus liegt rein auf finanzieller Rendite, ohne expliziten Wertebeitrag.
Regulatorische RisikenGeringeres Risiko zukünftiger Regulierung aufgrund von ESG-Konformität.Höheres Risiko zukünftiger Regulierung und potenzieller 'Stranded Assets'.
Vergleich von Covered-Call-Strategien: Nachhaltige vs. Traditionelle Basiswerte

Durchschnittliche zusätzliche Jahresrendite durch Covered Calls (DACH, 2019-2023)

  • Begrenzte Gewinnchance:Limitierung der Gewinne, wenn der Aktienkurs stark über den Ausübungspreis steigt.
  • Ausübungsrisiko:Möglicher Verlust der Aktien bei starkem Kursanstieg und Ausübung der Option.
  • Komplexität:Erfordert ein solides Verständnis von Optionen und Marktbedingungen.
  • Steuerliche Nuancen:Erträge aus Optionen können je nach Jurisdiktion (DE, AT, CH) unterschiedlich besteuert werden.
  • Verpasste Rallyes:Wenn die Aktie eine explosive Aufwärtsbewegung erlebt, ist der Gewinn auf die Prämie und die Differenz bis zum Ausübungspreis begrenzt.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Covered Call für Anfänger geeignet?

Ein Covered Call kann für Anfänger geeignet sein, sofern sie ein grundlegendes Verständnis des Aktienmarktes und von Optionen besitzen. Es ist eine der konservativeren Optionsstrategien, da das Risiko durch vorhandene Aktien gedeckt ist. Dennoch erfordert das Setzen der richtigen Ausübungspreise und Verfallsdaten eine gewisse Einarbeitung und Risikobereitschaft.

Wie kann die Covered-Call-Strategie den Generationenwohlstand beeinflussen?

Die Covered-Call-Strategie kann den Generationenwohlstand positiv beeinflussen, indem sie konstante Einkommensströme aus einem bestehenden Aktienportfolio generiert. Diese Erträge können reinvestiert, für Ausgaben verwendet oder als zusätzliche Einnahmequelle für die nachfolgenden Generationen dienen, was die langfristige finanzielle Stabilität und Souveränität einer Familie stärkt und zur Sicherung des Nachlasses beiträgt.

Welche Rolle spielen ESG-Kriterien bei der Auswahl der Basiswerte für Covered Calls?

ESG-Kriterien spielen eine wichtige Rolle bei der Auswahl der Basiswerte für Covered Calls, da sie dazu beitragen, langfristig stabilere und widerstandsfähigere Unternehmen zu identifizieren. Investitionen in nachhaltige Unternehmen können das Risiko unerwarteter Wertverluste reduzieren und die Attraktivität des Portfolios für zukünftige Generationen erhöhen, die oft einen stärkeren Fokus auf ethische Investitionen legen.

Was passiert, wenn der Aktienkurs stark über dem Ausübungspreis liegt?

Wenn der Aktienkurs bei oder vor dem Verfallstag stark über dem Ausübungspreis liegt, wird die Call-Option höchstwahrscheinlich vom Käufer ausgeübt. Dies bedeutet, dass der Anleger die zugrunde liegenden Aktien zum Ausübungspreis verkaufen muss. Der Gewinn des Anlegers ist dann auf die vereinnahmte Prämie zuzüglich der Differenz zwischen dem Kaufpreis der Aktie und dem Ausübungspreis begrenzt, selbst wenn der Marktpreis deutlich höher ist.

Reactions

Weiterführende Lektüre

More by this authorDr. Sabine Lindner

Ausgewählte Analysen